Die Kunst des konstanten Erfolgs

5 Jun

Als würdiges Start-Posting sei hier auf ein wunderbar passendes Interview des österreichischen Kunst-Superstars Erwin Wurm verwiesen, das prominent auf der Umschlagseite des Karriere-Teils im letzten Wochenend-Standard plaziert wurde. Das sehr persönliche Interview mit dem Herrn – der Platz 8 im Ranking der 100 wichtigsten heimischen Künstler des Wirtschaftsmagazins Format einnimmt – trägt den Übertitel Bildhauer mit Office.

Wurm vermittelt darin gekonnt und souverän gefällige Karriere-Einsichten über die Kunst des konstanten Erfolgs, bescheidene Erwartungslosigkeit, über die Wichtigkeit von Alternativszenarien und über „Krisen als Chance“. Wirtschafts-Coaching und Motivationstraining durch (Ex) Extrem-SportlerInnen funktioniert wahrscheinlich ähnlich, künstlerische Biographien bieten aber sicherlich einen ganz eigenen USP in Bezug auf die Sinn-Produktion. Nebenbei bemerkt kennt Wurm anscheinend nur männliche Kollegen, die sehr schnell wieder von der Bildfläche verschwunden seien und heute finanziell von ihrer Frau abhängig wären.

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ ist übrigens schon seit längerer Zeit bemüht, für die Cover-Seiten ihrer Immobilien- und Karriere-Beilagen geeignete Testimonials aus dem gehobenen (kreativ)wirtschaftlichen Feld zu gewinnen. Die allwöchentliche Beilage mit den hochpreisigen Wohnungen, mit den aktuellen Verkaufs-Announcen der großen Bauträger und den Hintergrund-Berichten über den Sektor der Business-Immobilien wird wöchentlich sehr inspirierend durch sogenannte Wohngespräche eingeleitet.

Diese anregenden, ganzseitigen „Schöner Wohnen“ Reportagen samt Bebilderung sollen wohl einen sanften Einstieg in die harten Fakten ermöglichen. Neben Bio-Schokolade-Produzenten, Opernball-Organisatorinnen, Fotografinnen, Hoteliers, Architektinnen, Gastronomen und Psychiatern haben sich dafür auch schon diverse Schauspieler, Schriftstellerinnen, alternative Volksmusikanten oder feministische Kabarettistinnen hergegeben.

Namentlich erwähnt gewährten im letzten Jahr etwa Persönlichkeiten wie Stella Rollig, Armin Turnher, Tex Rubinowitz oder Susanne Rogenhofer („DJ Sweet Susie“) interessante Einblicke in ihre jeweiligen Wohnlandschaften. Das Wohngespräch mit Stella Rollig ist leider nicht mehr im Standard-Archiv zu finden.

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